Destilliertes Wasser vs. vollentsalztes Wasser (VE Wasser)
Welche Wasserqualität eignet sich für Klima- und Umweltprüfungen?
Wasser ist nicht gleich Wasser. Leitungswasser enthält gelöste Mineralien, Salze und weitere Stoffe, die in vielen Anwendungen unproblematisch sind. In Klima- und Umweltprüfschränken können sie jedoch Ablagerungen verursachen, wasserführende Komponenten belasten und den Wartungsaufwand erhöhen.
Deshalb kommt in der Prüftechnik häufig aufbereitetes Wasser zum Einsatz. Begriffe wie vollentsalztes Wasser (VE-Wasser), destilliertes Wasser oder Reinstwasser werden dabei oft synonym verwendet, obwohl sie unterschiedliche Wasserqualitäten und Aufbereitungsverfahren beschreiben.
In diesem Beitrag erfahren Sie,
- worin sich VE-Wasser, destilliertes Wasser und Reinstwasser unterscheiden,
- warum WKM für viele Klima- und Umweltprüfungen VE-Wasser empfiehlt,
- welche Wasserqualität sich für welche Anwendung eignet.
VE-Wasser oder destilliertes Wasser – welche Wasserqualität ist die richtige?
Wer sich mit Klima- und Umweltprüfungen beschäftigt, stößt schnell auf die Frage, welche Wasserqualität eingesetzt werden sollte. Die Antwort lautet in den meisten Fällen: VE-Wasser.
Vollentsalztes Wasser enthält nur noch sehr geringe Mengen gelöster Mineralien und Salze. Dadurch lassen sich Ablagerungen in wasserführenden Komponenten reduzieren und stabile Betriebsbedingungen unterstützen.
Destilliertes Wasser wird durch ein anderes Verfahren aufbereitet und kann auch weitere Verunreinigungen reduzieren. Für die meisten Klima- und Umweltprüfungen bringt diese zusätzliche Aufbereitung jedoch keinen entscheidenden Vorteil. VE-Wasser stellt daher häufig die wirtschaftlichere und technisch geeignete Lösung dar.
Warum spielt die Wasserqualität überhaupt eine Rolle
Natürlich vorkommendes Wasser ist chemisch betrachtet keine reine Substanz. Es enthält gelöste Mineralien, Salze, Gase sowie organische Stoffe. Welche Bestandteile enthalten sind und in welcher Konzentration sie vorliegen, hängt unter anderem von der Wasserquelle und den regionalen Gegebenheiten ab.
Für viele Anwendungen spielt das keine Rolle. In technischen Anlagen können diese Inhaltsstoffe jedoch zu Kalk- und Salzablagerungen führen oder wasserführende Komponenten langfristig beeinträchtigen.
WAS IST VE-WASSER?
Vollentsalztes Wasser (VE-Wasser) wird auch als demineralisiertes, entmineralisiertes oder deionisiertes Wasser bezeichnet.
Bei der Vollentsalzung werden nahezu alle gelösten Mineralien und Salze aus dem Wasser entfernt. Dazu zählen unter anderem Natrium-, Calcium- und Magnesiumionen sowie Chlorid- und Sulfationen. Das Ergebnis ist Wasser mit einer sehr geringen elektrischen Leitfähigkeit und einem niedrigen Salzgehalt.
Für viele technische Anwendungen bietet VE-Wasser bereits die erforderliche Wasserqualität und stellt einen guten Kompromiss aus Reinheit und Wirtschaftlichkeit dar.
KURZ ERKLÄRT
SALZE UND IONEN
Die Begriffe Salze und Ionen werden häufig gleichgesetzt, beschreiben aber unterschiedliche Dinge. Salze bestehen aus positiv und negativ geladenen Teilchen. Lösen sie sich in Wasser, zerfallen sie in ihre einzelnen Ionen. Genau diese gelösten Ionen entfernt ein Ionenaustauscher bei der Vollentsalzung.
Wie wird VE-Wasser hergestellt?
Die Herstellung erfolgt häufig mithilfe eines MischbettIonenaustauschers. Dieser enthält zwei unterschiedliche Harze:
- Kationenaustauscher entfernen positiv geladene Ionen (Kationen).
- Anionenaustauscher entfernen negativ geladene Ionen (Anionen).
Die aufgenommenen Ionen werden dabei gegen Wasserstoff- (H⁺) und Hydroxidionen (OH⁻) ausgetauscht. Diese verbinden sich anschließend wieder zu Wasser. Auf diese Weise entstehen nur sehr geringe Restmengen gelöster Salze, wodurch die elektrische Leitfähigkeit deutlich sinkt.

So funktioniert eine regenerierbare Vollentsalzungspatrone
In vielen Klima- und Umweltprüfanlagen sowie Laboren erfolgt die Wasseraufbereitung mit einer Mischbettpatrone.
Das Wasser strömt durch das Ionenaustauscherharz. Dabei werden gelöste Ionen gebunden und gegen Wasserstoff- (H⁺) und Hydroxidionen (OH⁻) ausgetauscht. Diese reagieren anschließend wieder zu Wasser. Das Ergebnis ist vollentsalztes Wasser mit einer sehr geringen elektrischen Leitfähigkeit.
Da das Harz nur eine begrenzte Aufnahmekapazität besitzt, muss die Mischbettpatrone regelmäßig regeneriert oder ausgetauscht werden. Ob dies erforderlich ist, zeigt die Leitfähigkeit des aufbereiteten Wassers. Überschreitet sie den vorgegebenen Grenzwert, ist ein Harzwechsel oder eine Regeneration notwendig.
Je nach Anlage kommen regenerierbare Harze oder Einwegharze zum Einsatz.
PRAXIS-TIPP
Kontrollieren Sie die Leitfähigkeit des VE-Wassers regelmäßig. Sie gibt Aufschluss darüber, ob die Mischbettpatrone noch ausreichend Ionen entfernt oder ausgetauscht werden muss.
VE-Wasser oder destilliertes Wasser?
Obwohl beide Wasserarten nahezu frei von Mineralien sind, unterscheiden sie sich in Herstellung, Reinheitsgrad und Einsatzgebiet.
| VE-Wasser | Destilliertes Wasser |
|---|---|
| Herstellung durch Ionenaustausch | Herstellung durch Destillation |
| Entfernt nahezu alle gelösten Ionen | Entfernt zusätzlich viele Verunreinigungen |
| Sehr geringe Leitfähigkeit | Reinheit abhängig von Destillationsgrad |
| Wirtschaftlich für technische Anwendungen | Vor allem für Labor- und Spezialanwendungen |
| Häufig eingesetzte Wasserqualität bei Klima- und Umweltprüfungen | Nur erforderlich, wenn besonders hohe Reinheitsanforderungen bestehen |
Destilliertes Wasser oder Reinstwasser können für Anwendungen mit weitergehenden Reinheitsanforderungen erforderlich sein. Für die meisten Prüfanwendungen bietet diese zusätzliche Aufbereitung jedoch keinen entscheidenden Vorteil.
Enthärtung oder Vollentsalzung – wo liegt der Unterschied?
Die Begriffe Enthärtung und Vollentsalzung werden häufig verwechselt. Tatsächlich verfolgen beide Verfahren unterschiedliche Ziele.
Bei einer klassischen Enthärtung werden die für die Wasserhärte verantwortlichen Calcium- und Magnesiumionen gegen andere Ionen, meist Natrium, ausgetauscht. Dadurch sinkt die Wasserhärte, der Gesamtsalzgehalt des Wassers wird jedoch nicht wesentlich reduziert.
Die Vollentsalzung geht einen Schritt weiter. Sie entfernt nahezu alle gelösten Ionen – darunter Calcium, Magnesium, Natrium, Chlorid und Sulfat. Das Ergebnis ist Wasser mit einer deutlich geringeren Leitfähigkeit und einem höheren Reinheitsgrad.
Ob eine Enthärtung ausreicht oder eine Vollentsalzung erforderlich ist, hängt von den Anforderungen der jeweiligen Anwendung ab.
Warum empfiehlt WKM VE-Wasser für Klima- und Umweltprüfungen?
Klima- und Umweltprüfungen sollen Prüflinge unter definierten Bedingungen zuverlässig und reproduzierbar testen. Deshalb sollten alle Einflussgrößen möglichst konstant bleiben – auch die Wasserqualität.
Enthält das eingesetzte Wasser größere Mengen gelöster Mineralien oder Salze, können sich mit der Zeit Ablagerungen in wasserführenden Komponenten bilden. Diese erhöhen den Wartungsaufwand und können die Funktion einzelner Bauteile beeinträchtigen.
Der Einsatz von VE-Wasser reduziert diese Einflüsse. Gleichzeitig unterstützt er einen stabilen Anlagenbetrieb und trägt dazu bei, dass Klima- und Feuchtebedingungen langfristig reproduzierbar bleiben.
DIE VORTEILE VON VE-WASSER AUF EINEN BLICK
- reduziert Kalk- und Salzablagerungen
- verringert den Reinigungs- und Wartungsaufwand
- unterstützt die zuverlässige Funktion von Befeuchtungs- und Wassersystemen
- verbessert die Reproduzierbarkeit von Klima- und Feuchtebedingungen
Umkehrosmose – ein wichtiger Schritt der Wasseraufbereitung Welche Rolle spielt die Umkehrosmose?
Neben dem Ionenaustausch gehört die Umkehrosmose zu den wichtigsten Verfahren der Wasseraufbereitung. Beide Verfahren verfolgen unterschiedliche Ziele und werden häufig miteinander kombiniert.
Bei der Umkehrosmose wird Wasser unter Druck durch eine semipermeable Membran geleitet. Diese lässt nahezu ausschließlich Wassermoleküle passieren, während gelöste Salze, Partikel und viele weitere Inhaltsstoffe zurückgehalten werden. Das aufbereitete Wasser wird als Permeat bezeichnet.
In vielen Wasseraufbereitungssystemen dient die Umkehrosmose als Vorstufe. Ein nachgeschalteter Ionenaustausch entfernt die verbleibenden gelösten Ionen und verbessert die Wasserqualität zusätzlich.
Eine vorgeschaltete Enthärtung kann außerdem dazu beitragen, Kalkablagerungen auf der Membran zu reduzieren und ihre Lebensdauer zu verlängern.
PRAXIS-HINWEIS
LEITFÄHIGKEIT UND KORROSION
Eine sehr geringe Leitfähigkeit ist für sich allein kein Maß für die Korrosivität des Wassers. Für die Materialverträglichkeit sind unter anderem Werkstoff, pH-Wert, gelöste Gase, Temperatur und Betriebsbedingungen maßgeblich. Deshalb sollten wasserberührte Komponenten und die eingesetzte Wasserqualität immer aufeinander abgestimmt sein.
Wann wird Reinstwasser benötigt?
Nicht jede Anwendung stellt dieselben Anforderungen an die Wasserqualität.
Für viele Klima- und Umweltprüfungen ist VE-Wasser ausreichend. Es enthält nur sehr geringe Mengen gelöster Salze und Mineralien und erfüllt die Anforderungen der meisten technischen Anwendungen.
Reinstwasser kommt dagegen überall dort zum Einsatz, wo selbst kleinste Verunreinigungen Messergebnisse beeinflussen können. Typische Einsatzbereiche sind
- instrumentelle Analytik,
- Molekularbiologie,
- Pharmaindustrie,
- bestimmte medizinische Anwendungen.
Um diesen hohen Reinheitsgrad zu erreichen, werden mehrere Aufbereitungsverfahren kombiniert. Dazu gehören unter anderem Umkehrosmose, Ionenaustausch, Filtration und UV-Behandlung.
Für Klima- und Umweltprüfungen ist dieser zusätzliche Reinheitsgrad in der Regel nicht erforderlich. Entscheidend ist vielmehr eine Wasserqualität, die den Anforderungen der jeweiligen Anwendung entspricht.
Welche Wasserqualität eignet sich für welche Anwendung?
| Wasserqualität | Typische Anwendung |
|---|---|
| Leitungswasser / Trinkwasser | Anwendungen ohne besondere Anforderungen an die Wasserqualität |
| Enthärtetes Wasser | Anwendungen, bei denen Kalkablagerungen reduziert werden sollen |
| VE-Wasser | Klima- und Umweltprüfungen sowie viele technische Anwendungen mit Anforderungen an eine geringe Salzbelastung |
| Destilliertes Wasser | Labor und medinische Anwendungen mit höheren Reinheitsanforderungen |
| Reinstwasser | Hochpräzise Analytik sowie biologische und pharmazeutische Anwendungen mit höchsten Reinheitsanforderungen |
FAZIT
Die höchste Wasserreinheit ist nicht automatisch die beste Lösung. Entscheidend ist, dass die Wasserqualität zu den Anforderungen der jeweiligen Anwendung und Anlage passt.
Für viele Klima- und Umweltprüfungen ist VE-Wasser eine technisch geeignete und wirtschaftliche Wahl. Der geringe Gehalt an gelösten Salzen reduziert Ablagerungen in wasserführenden Komponenten, unterstützt einen zuverlässigen Anlagenbetrieb und trägt zu reproduzierbaren Prüfbedingungen bei.
Destilliertes Wasser und Reinstwasser werden mit anderen beziehungsweise zusätzlichen Aufbereitungsverfahren hergestellt und können für Anwendungen mit weitergehenden Reinheitsanforderungen erforderlich sein. Für viele Klima- und Umweltprüfungen ist eine Wasseraufbereitung über die vom Anlagenhersteller geforderte Qualität hinaus jedoch nicht notwendig.
UNSERE EMPFEHLUNG FÜR IHRE ANLAGE
Die jeweils erforderliche Wasserqualität richtet sich nach Anlagentyp, Prüfverfahren und Herstellervorgaben.
Für ein gleichbleibendes Prüfergebnis empfiehlt WKM den Einsatz von VE-Wasser bei folgenden Anlagen-typen:
- Konstantklimaprüfschränke
- Klimaprüfschränke
- Korrosionsprüfsysteme
- Schwitzwasserkammern
- Pflanzenwuchskammern
- Schwallwasserkammern
Bei folgenden Anwendungen empfiehlt WKM zusätzlich eine Enthärtungsanlage als Vorstufe. Sie reduziert Kalkablagerungen und schützt nachgeschaltete Systeme.
- Spritzwasserkammern
- Druckwasserstrahlkammern
- Umkehrosmoseanlagen
Sie benötigen VE-Wasser für Ihre Klima- und Umweltprüfschränke?
Wir beraten Sie zur passenden Vollentsalzungspatrone und zu den Anschlussmöglichkeiten, abgestimmt auf Ihre Anlage und die Gegebenheiten vor Ort.
Sprechen Sie uns gerne an.
Häufige Fragen (FAQs)
Eine Vollentsalzungspatrone bereitet Leitungswasser mithilfe von Ionenaustauscherharz zu vollentsalztem Wasser auf. Das Harz bindet die im Wasser gelösten positiv und negativ geladenen Ionen. Dadurch sinkt die Leitfähigkeit des Wassers.
Die Nutzungsdauer lässt sich nicht pauschal angeben. Sie hängt vor allem von der Qualität des eingespeisten Wassers, der benötigten Wassermenge und dem geforderten Leitfähigkeitswert ab. Je höher der Salzgehalt des Eingangswassers ist, desto schneller ist das Ionenaustauscherharz erschöpft.
Die Qualität des aufbereiteten Wassers wird über seine Leitfähigkeit kontrolliert. Steigt der Messwert über den für die Anwendung festgelegten Grenzwert, muss das Harz gewechselt oder regeneriert werden. Ein angeschlossenes Leitfähigkeitsmessgerät ermöglicht die laufende Überwachung des Produktwassers.
Bei regenerierbaren Patronen wird das erschöpfte Ionenaustauscherharz gegen frisch regeneriertes Harz ausgetauscht. Das Patronengehäuse kann anschließend erneut verwendet werden. Der Harzwechsel kann je nach Serviceangebot auch direkt am Aufstellort erfolgen.
Das Komplettset besteht aus der regenerierbaren Edelstahlpatrone SD 2000 / SD 2800 / SD 400 / SD 6000 mit Mischbettharz, dem erforderlichen Schlauchset und einem Leitfähigkeitsmessgerät LFM AC1. Die Patrone ist für einen Betriebsdruck von maximal 10 bar ausgelegt.
Die Modelle unterscheiden sich vor allem durch ihre Größe und die enthaltene Harzmenge. Welche Patrone geeignet ist, hängt von der Qualität des Eingangswassers, dem täglichen Wasserbedarf und der geforderten Leitfähigkeit ab. Alle vier Modelle besitzen Anschlüsse mit 3/4-Zoll-Außengewinde und sind für einen Betriebsdruck von maximal 10 bar ausgelegt.
Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Welche davon am besten passt, hängt von Ihrer Anlage und den Gegebenheiten vor Ort ab.
Hat Ihr Klimaprüfschrank einen festen Wasseranschluss und eine automatische Wassernachspeisung, wird die VE-Patrone einfach zwischen Wasserleitung und Prüfschrank eingebunden.
Besitzt das Gerät einen Frischwasserbehälter, kann die Patrone mit einem Entnahmehahn ausgestattet werden. Sie entnehmen das VE-Wasser dann zum Beispiel mit einer Gießkanne und füllen den Behälter von Hand auf.
Auch ohne Wasserleitung direkt am Prüfschrank ist die Nutzung möglich: Befüllen Sie einen Kanister dort, wo ein Wasseranschluss vorhanden ist, und bringen Sie das VE-Wasser anschließend zur Anlage.
Sie sind unsicher, welche Lösung bei Ihnen funktioniert? Sprechen Sie uns an. Wir schauen uns Ihre Situation an und gehen die Möglichkeiten gemeinsam mit Ihnen durch.
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